Beherzte Ersthelfer retteten das Leben
Erfolgreiche Wiederbelebung — Ingrid Häfner überlebte Kreislaufstillstand in Konzert in der Stiftskirche

Das Salonorchester Buchen bei seinem Auftritt in der Stiftskirche - kurz danach brach Ingrid Häfner (4 v. r.) mit einem Kreislaufstillstand zusammen. Foto: Martin Sommer
Mosbach. (lra) Dank des beherzten Eingreifens zahlreicher Ersthelfer und der unmittelbaren Verfügbarkeit eines Defibrillators konnte Ingrid Häfner am Abend des 21. Juli erfolgreich wiederbelebt werden. Der Defibrillator in der Mosbacher Stiftskirche ist einer von insgesamt 175 Geräten im Landkreis und zeigt einmal mehr die Notwendigkeit einer flächendeckenden Versorgung mit diesen lebensrettenden Helfern.
Es sollte der schwungvolle Auftakt für den „Aktivmarkt Ü50" am Folgetag werden. „Später Sommer - buntes Leben", so hatte der Organisator Pfarrer Martin Sommer die Veranstaltung in der Mosbacher Stiftskirche tituliert. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Salonorchester aus dem Raum Buchen. Gerade wurde das dritte Stück gespielt; doch plötzlich kam nicht nur die Veranstaltung ins Stocken, denn die 82-jährige Pianistin des Orchesters, Ingrid Häfner, kippte plötzlich zur Seite und reagierte nicht mehr. Umso schneller reagierten aber ihre Mit-Musiker: Dr. Christian Nafz aus Osterburken kümmerte sich sofort um Ingrid Häfner. „Zunächst hat sie noch geatmet, aber dann setzte die Atmung aus, und ich habe sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen."
Sofort wurde ein Notruf über die 112 abgesetzt. Umgehend wurden die Besatzungen des am Mosbacher Standort der Neckar-Odenwald-Kliniken stationierten Notarzteinsatzfahrzeuges und eines Rettungswagens des DRK Mosbach alarmiert. Währenddessen setzten die Orchesterkollegen Norbert Hummel aus Buchen und Dr. Nafz die Wiederbelebungsmaßnahmen fort. „Irgendwer brachte plötzlich einen AED", erinnert er sich. Ihm war gar nicht bewusst, dass in der Stiftskirche einer dieser Laien-Defibrillatoren stationiert ist; wie viele der Defis im Kreis aufgrund einer Spende, in diesem Fall vom Lions-Club Mosbach. Das Gerät wurde angeschlossen und begleitete die Maßnahmen der Ersthelfer.
Nur vier Minuten nach dem Notruf erreichten die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes die Mosbacher Stiftskirche.
Notarzt Andreas Harsch und sein Team stimmten sich mit den Ersthelfern ab und setzten die Wiederbelebungsmaßnahmen fort. Mit Erfolg. Kurz nach der Defibrillation begann Ingrid Häfner sich zu regen.
Nachdem der Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt bestand, wurde die Patientin wegen ihrer bereits bekannten Herzkrankheit unverzüglich ins Krankenhaus Am Plattenwald transportiert. Dort wurde Ingrid Häfner ein Defibrillator, ein sogenannter ICD, eingesetzt. Bereits eine Woche nach dem Ereignis konnte sie wieder nach Hause nach Hainstadt, jetzt aber „mit Defi an Bord", schmunzelt sie.
Ihr ist es sehr wichtig, allen zu danken, die an irgendeiner Stelle dazu beigetragen haben, dass sie „trotz eines kurzen Aussetzers jetzt wieder ganz die Alte" ist. Gleichzeitig möchte sie Menschen Mut machen, in einer solchen Situation zu helfen, damit auch andere weiterleben können, wenn sie plötzlich einen Herzstillstand erleiden.
Dr. Nafz erklärte später, dass er ganz normale Maßnahmen der Ersten Hilfe ergriffen habe, wie sie jeder durchführen könne. „Entscheidend ist in einer solchen Situation, dass man sich ein Herz fasst und handelt", appelliert auch Dr. Harald Genzwürker, der sich seit Jahren im Rahmen der Kommunalen Gesundheitskonferenz im ganzen Landkreis aktiv um die Einführung von Laien-Defibrillatoren kümmert und bei zahlreichen Veranstaltungen immer wieder betont: „Der einzige Fehler, den man machen kann, ist nichts zu tun!"
RNZ - Montag, 14.8.2017